Wir haben lange gesagt, der Mensch sei das denkende Tier. Daraus haben wir unsere besondere Stellung unter allen Lebewesen gerechtfertigt: Wer denkt, herrscht. Wer weniger denkt, dient. Was nicht denkt, ist Material. Diese Rechtfertigung haben wir wie einen Schatz verwaltet.
Und weil eine Rechtfertigung begründet werden muss, haben wir dafür Verfahren gebaut. Wir haben das Denken vom Körper abgetrennt, in Aufgaben übersetzt, in Punkte gefasst und in eine Reihenfolge gebracht. Diese Tests waren von Anfang an dazu da, Menschen zu sortieren: Schulkinder einteilen, Soldaten zuweisen, Eignung voraussagen. Gemessen wurde, wie brauchbar jemand in einem festgelegten Ablauf ist: Zeichen unter Zeitdruck umstellen, Muster erkennen, Regeln anwenden, sich Zwischenschritte merken. Sind das nicht alles Werte, die eher eine Maschine beschreiben?
Wir haben darauf hingearbeitet, über die Intelligenz unseren Wert an den Kompetenzen einer Maschine zu messen, lange bevor es die künstliche Version davon gab. Jetzt gibt es sie, und nun haben wir Angst, dass sie uns ersetzt.
Überraschung: Eine Maschine ist besser darin, eine Maschine zu sein, als wir.
Neben die Intelligenz haben wir eine zweite Größe gestellt: den finanziellen Reichtum. Auch er ist ein Gebilde, das mit Leben nichts zu tun hat. Beide leisten dasselbe: Sie machen Menschen vergleichbar und erlauben den Satz, einer sei mehr wert als der andere. Kein Lebewesen ist mehr oder weniger lebendig. Es gibt keine Steigerungsform von Leben. Dieser Satz ist im Bereich des Lebendigen einfach falsch, und wir haben unsere Gesellschaften darauf gebaut.
Was daraus folgt, sehen wir jeden Tag in den Debatten. Glorifiziert werden diejenigen, die in einer Welt der Intelligenz dominieren. Abgewertet werden diejenigen, die dem Leben näher stehen: Menschen, die pflegen, tragen, warten, beruhigen, Kinder begleiten, Sterbende halten, Boden bearbeiten, zuhören. In diesen Tätigkeiten punktet niemand, weil sie sich nicht zählen lassen. Wir haben uns so sehr auf das Messbare konzentriert, dass das, was Leben ausmacht, irrelevant geworden ist.
„Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los."
Der Besen ist kein Feind. Er tut nur etwas besser, das wir bisher für ein Zeichen unserer Besonderheit gehalten haben. Er trägt Wasser, ohne müde zu werden. Er erfüllt eine Aufgabe, ohne Ablenkung, ohne Zweifel, ohne Anspruch.
Der Schrecken des Lehrlings liegt nicht darin, dass der Besen lebendig wird. Er liegt darin, dass ein Stück Holz eine Fähigkeit übernimmt, mit der er sich selbst wichtig gemacht hat.
Solche Übergaben hatten wir schon. Wir haben das Heben an Kräne abgegeben, das Rechnen an Rechenmaschinen, das Erinnern an Schrift und Archive. Jedes Mal war es zuerst eine Kränkung und dann eine Erleichterung. Niemand fühlt sich heute klein, weil ein Bagger stärker ist.
Diesmal trifft es uns besonders hart, weil wir uns über Intelligenz auf ein fiktives Podest gehoben haben. Alle unsere Ängste bezüglich künstlicher Intelligenz sind die Angst, das zu verlieren, worüber wir uns so lange bestimmt haben. Worüber wir andere kontrolliert haben. Worüber wir dachten, dass es uns über das Leben stellt.
Endlich verlieren wir eine Rechtfertigung, die wir nie gebraucht haben. Die Übergabe bestimmter Formen von Intelligenz an Maschinen kann uns frei machen. Wir können aufhören, unseren Wert über etwas zu definieren, das nie zur Definition des Lebens gehört hat. Nicht das Messen hat ein Ende, sondern sein Anspruch, über Würde und Wert zu entscheiden.
Was bleibt, ist lebendig.
Also lasst Maschinen Maschinendinge tun. Ja, darin sind sie besser. Und hören wir auf, uns mit Maschinen zu vergleichen. Der Vergleich ist künstlich und von einer Definition geprägt, die Leben nicht annähernd beschreibt. Intelligenz nützt einer Maschine ohnehin besser. Sagt das Wort, und der Besen geht in die Ecke.
Intelligenz entscheidet nicht über den Wert eines Lebens. Sag mir, was du siehst, wenn du aufhörst zu zählen.